Auf Kreuzfahrtschiffen durften Passagiere früher von offenen Decks direkt ins Meer abschlagen – eine skurrile Tradition, die auf Karibik-Routen sehr beliebt war. Carnivals M.S. Tropicale wurde 1985 dabei gefilmt. Die MARPOL-Vorschriften von 1990 beendeten diese Praxis und stuften Golfbälle als Plastikmüll ein.
Auf einen Blick
Haben Kreuzfahrtschiffe das wirklich erlaubt?
Bevor Umweltvorschriften mit der maritimen Freizeitgestaltung Schritt hielten, konnten Kreuzfahrtpassagiere aufs Deck treten, einen Golfball aufteen und ihn ins offene Meer schlagen. Die M.S. Tropicale von Carnival Cruise Line hielt die Aktivität sogar 1985 auf Film fest. Die Praxis war legal, wurde offen durchgeführt und war vor 1990 weit verbreitet.
Warum wurde es verboten?
Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation verabschiedete 1990 Regeln, die das Entsorgen von Plastikmüll ins Meer verboten. Golfbälle fielen eindeutig unter dieses Verbot. Einige Schiffe experimentierten kurzzeitig mit biologisch abbaubaren Bällen aus Fischfutter, bevor sie das Golfspielen auf dem offenen Deck ganz aufgaben. Simulatoren, Netze und Golfplätze an Land füllten die Lücke.
Wie zersetzen sich Golfbälle unter Wasser?
Ein normaler Golfball enthält Gummi, synthetische Kunststoffe und Metallkomponenten – ungefähr 1.000 Jahre Zersetzung unter Wasser. Wellenbewegung und Reibung am Meeresgrund mahlen die Bälle zu Mikroplastik, das sich durch Meeresströmungen verbreitet und sowohl Korallenriffe als auch arktischen Schnee erreicht.
Der Schaden an Korallenriffen
Forscher haben Golfbälle zwischen Korallen in acht Metern Tiefe entdeckt. Papageifische nehmen Mikroplastik auf, während sie Algen fressen. Bälle häufen sich zwischen Korallenformationen und stören die Riffstrukturen physisch. Über 27 Kilogramm Mikroplastik wurden allein von den geborgenen Bällen abgegeben.
50.000 Golfbälle vor Pebble Beach
Die junge Wissenschaftlerin Alex Weber entdeckte über 50.000 Golfbälle auf dem sandigen Boden einer kalifornischen Bucht in der Nähe von Pebble Beach. Mit einem kleinen Team bargen sie etwa 2,5 Tonnen Abfall aus bundesweit geschützten Gewässern. Zerfallene Bälle hatten geschätzte 60 Pfund nicht wiedergewinnbares Mikroplastik ins Meer abgegeben.
Kann man heute noch Bälle vom Schiff schlagen?
Nein. Die MARPOL-V-Gesetzgebung von 1991 verbietet die Entsorgung von Plastik auf See. Kreuzfahrtlinien haben die Praxis durch Simulatoren an Bord, Abschlagnetze und Minigolfanlagen ersetzt. Biologisch abbaubare Fischfutterbälle tauchen gelegentlich auf Luxusschiffen als Alternative auf. Golfer können Landausflüge zu Golfplätzen buchen.
Häufig gestellte Fragen
Welche Kreuzfahrtunternehmen boten das Golfballschlagen an?
Carnival Cruise Line gehörte zu den ersten. Luxuskreuzfahrtanbieter übernahmen die Praxis später mit biologisch abbaubaren Bällen.
Kostete die Aktivität extra?
Passagiere wurden nicht ausdrücklich mit zusätzlichen Gebühren belastet. Übungsplatz-Bälle waren in Golf-Paketen inbegriffen.
Sind biologisch abbaubare Golfbälle wirklich ozeanfreundlich?
Die Geschichte der Golfbälle auf See zeigt, wie sich das Bewusstsein für Meeresverschmutzung verändert hat. Was einst eine beliebte Freizeitbeschäftigung war, ist heute ein eindrucksvolles Beispiel für die unbeabsichtigten Folgen vermeintlich harmloser Aktivitäten.
Nachhaltig Golf spielen auf See
Unsere Golfkreuzfahrten mit Hapag-Lloyd Cruises setzen auf erstklassige Golfplätze an Land statt Bälle ins Meer.
- Vor 1990 durften Kreuzfahrtpassagiere Golfbälle von offenen Decks ins Meer schlagen.
- Die IMO hat 1990 die Entsorgung von Plastik im Meer verboten – Golfbälle fallen unter dieses Verbot.
- MARPOL Anhang V, 1991 ratifiziert, hat das Verbot offiziell bekräftigt.
- Kreuzfahrtlinien bieten jetzt Simulatoren, Netze und Minigolf als Alternativen an.